Meine Geschichte

Wie so häufig bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten entwickelten sich diese auch bei mir in einem langsamen, aber doch stetigen Prozess. Im Anfangsstadium nimmt man dieses Thema meist nicht als so problematisch wahr, da die Symptome noch verkraftbar sind und sich nur langsam einschleichen. Doch über die Zeit wurden bei mir die Symptome immer stärker und damit stieg auch der Leidensdruck. Da es sich bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten um Verdauungsprobleme handelt, wendete ich mich an einen Experten auf diesem Gebiet: einen Gastroenterologen. In einem sehr kurzen Gespräch wurden die Probleme leider nur als relativ normal abgetan („damit müsse man leben“) und eine Darmspiegelung empfohlen. Die Darmspiegelung zeigte keinen auffälligen Befund und ich wurde deshalb als gesund erklärt. Aber leider entsprach das überhaupt nicht meinem Befinden.

Aufgrund der Aussage, dass ich eigentlich gesund sei, nahm ich die Symptome drei weitere Jahre in Kauf, ehe ich eine Heilpraktikerin kontaktierte. Sie nahm sich bedeutend mehr Zeit für meine Probleme und vor allem fühlte ich mich ernstgenommen. Das war für mich als Patient immerhin schon ein Fortschritt. Mit dem “Pro Immun M” Test wurde anhand der IgG-Antikörper im Blut bestimmt, auf welche Nahrungsmittel mein Körper reagiert. Diese Nahrungsmittel sollten dann im Rahmen einer Auslassdiät für eine gewisse Zeit weggelassen werden. Anschließend wurden mehrere Darmspülungen in der Praxis gemacht (Colon-Hydron-Therapie) und als letzte Maßnahme bekam ich Darmbakterien verordnet. Das Konzept klang zwar recht überzeugend, nach Behandlungsende musste ich allerdings feststellen, dass die Therapie keinen Erfolg gebracht hatte. Es stellte sich keine Besserung ein.

Anschließend kontaktierte ich während meines einjährigen Aufenthalts in Indien mehrere Ayurveda-Ärzte sowie Homöopathen. Die Kosten waren in Indien zum Glück überschaubar, aber auch dort konnte mir nicht weitergeholfen werden. Leider erlitt ich während der Zeit in Indien mehrere Magen-Darm-Infektionen. Das gab dem schon sehr angeschlagenen Verdauungssystem den Rest und die Auswahl an Lebensmitteln, die ich noch ohne Probleme essen konnte, reduzierte sich auf etwa 6-8 Nahrungsmittel. Das einzig Positive an dieser Situation: Der Leidensdruck war inzwischen so groß, dass ich unbedingt etwas unternehmen musste, um wieder gesund zu werden.

Zurück in Deutschland ging ich als erstes zu einem Allgemeinmediziner. Zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten war er recht ratlos bis auf den Hinweis, dass ich öfter Fenchel-Anis-Kümmel Tee trinken sollte. Anschließend führte ich in einer Klinik einen H2-Atemtest auf Fructose und Laktose durch. Das Ergebnis bei beiden war negativ – theoretisch hätte ich also Milchprodukte essen können. Praktisch wusste ich jedoch, dass ich diese schlecht vertrage. Selbst wenn durch diesen Test eine Laktoseintoleranz ausgeschlossen wurde, so brachte mich dieser Test aber nicht meiner wichtigsten Frage näher: Was muss ich tun, damit ich endlich wieder gesund werde?

Die nächste Idee war: Eventuell könnte ich Parasiten im Darm haben, die für meine Probleme verantwortlich sind. Also ließ ich bei meinem Hausarzt eine Untersuchung auf Parasiten durchführen. Und es wurde tatsächlich ein Einzeller namens „Giardia Lamblia“ gefunden, der standardmäßig mit Antibiotika behandelt wird. Anschließend zeigte sich bei Nachuntersuchungen, dass dieser Parasit bei mir nicht mehr nachweisbar war. An meinen Nahrungsmittelunverträglichkeiten hatte sich aber leider nichts verändert. Aufgrund des Parasitenfundes vermutete ich allerdings, auf der richtigen Spur zu sein und ließ mich in einem Reisemedizinischen Zentrum von einem Gastroenterologen untersuchen. Er meinte: „Na hoffentlich haben Sie nicht so einen…“- ich erwartete einen der gefährlichsten Killer-Parasiten – „…haben Sie nicht so einen Reizdarm.“ Die durchgeführten Tests zeigten keine Unregelmäßigkeiten, ich war also wieder einmal auf dem Papier kerngesund und konnte gehen.

Die nächste Station war ein Heilpraktiker. Dieser verfolgte bei fast allen Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten den Ansatz, dass die Verdauung geschwächt sei und die Verdauungsorgane wieder schrittweise gestärkt werden müssen. Deshalb bekam ich Medikamente, um den Magen, die Galle sowie die Bauchspeicheldrüse zu unterstützen. Dieser Ansatz ging theoretisch in die richtige Richtung, letztendlich habe ich die Behandlung aber nach 4 Monaten beendet, da sie insgesamt erfolglos blieb und inzwischen schon einiges gekostet hatte. Der große Nachteil bei diesem Behandlungsansatz war, dass vorab keine richtige Diagnostik durchgeführt wurde um zu sehen, wo wirklich das Problem liegt. Das Wichtigste, was ich aus dieser Behandlung gelernt hatte: ich brauche einen Therapeuten, der ganz individuell meine Ursachen sucht und nicht bei allen Patienten mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten die gleiche Standardtherapie anwendet.

Die Motivation war zwar inzwischen etwas gebremst, aber ich hatte ja keine Wahl. Deshalb war meine nächste Station das „Institut für Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ (Iffi) in Hamburg. Der Therapieansatz dort basiert auf der Umprogrammierung des Immunsystems, damit die unverträglichen Nahrungsmittel nicht mehr als „Feinde“ angesehen werden. Bei mir wurden die Desensibilisierungen für Fructose, Zucker, Milch und noch einiges mehr durchgeführt. Auch diese Therapie brachte leider keine Verbesserung. Danach versuchte ich es bei einer Therapeutin der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Sie konnte mir ebenfalls nicht weiterhelfen. Ich empfand es aber als sehr fair, dass sie mir dies offen und ehrlich sagte, anstatt nur „irgendetwas“ zu behandeln.
Solch einen Ärztemarathon, wie ich ihn bisher durchlaufen hatte, kennen viele Betroffene mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten beziehungsweise Reizdarm. Jedoch war, wie schon gesagt, aufgeben keine Option und so hatte ich nach mehr als 4 Jahren vergeblicher Suche endlich das Glück, an den richtigen Therapeuten zu geraten.

Ich konsultierte ihn mit der gleichen Beschreibung meiner Probleme wie bei allen vorangegangenen Ärzten. Sein Vorschlag war, eine Stuhlanalyse durchzuführen, um erst einmal zu sehen, was genau im Darm nicht richtig funktioniert. Das Ergebnis war, dass ich eine massive Entzündung der Darmschleimhaut hatte, die Darmschleimhaut durchlässig war und das Immunsystem im Darm eine sehr starke Reaktion zeigte. Durch eine sehr erfolgreiche Therapie ging die Entzündung komplett zurück und auch das Darm-Immunsystem beruhigte sich wieder. Das Resultat war, dass ich wieder einige Lebensmittel mehr vertrug. Aber ich merkte, dass noch mehr gemacht werden müsste. Durch intensive Internetrecherche, die ich bereits über Jahre hinweg betrieben hatte, bin ich darauf gestoßen, dass bei vielen anderen Betroffenen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten Schwermetalle eine entscheidende Rolle spielten. Deshalb führte ich einen entsprechenden Test durch und es zeigte sich, dass ich sehr hohe Mengen an Schwermetallen im Körper hatte. Der Ausleitungsprozess dauerte einige Zeit, aber mit jeder Ausleitung merkte ich, wie sich meine Nahrungsmittelunverträglichkeiten verbesserten.

Die beschriebenen Therapien bei diesem Heilpraktiker waren insgesamt so erfolgreich, dass ich inzwischen fast alles wieder essen kann. Mit dieser detaillierten Beschreibung meiner jahrelangen Suche nach der richtigen Lösung möchte ich vor allem zeigen, dass der Weg zur Heilung nicht unbedingt einfach ist und mit einigen Stolpersteinen gepflastert sein kann. Eine Heilung der Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist aber möglich und es gibt viele gute Diagnose- und Therapiemöglichkeiten dafür.